Was ist Backfokus und warum ist er für Astrofotografie wichtig?

Wenn du mit Teleskopen fotografierst, stößt du früher oder später auf ein einfaches, aber entscheidendes Thema: den Backfokus. Viele Probleme beim Astrofotografieren haben damit zu tun. Du kannst den Fokus nicht erreichen. Sterne am Rand wirken verzerrt durch Koma oder Feldwölbung. Das Bild ist an den Rändern aufgehellt oder abgedunkelt, also Vignettierung. Filterräder passen nicht in die richtige Position. Das Guiding funktioniert nicht zuverlässig, weil der Leitstern nicht im scharfen Fokus liegt oder der OAG nicht korrekt ausgerichtet ist. All das kann an falschem Abstand zwischen Teleskop, Flattener oder Reducer und dem Kamerasensor liegen.

Dieser Artikel zeigt dir praktisch, worauf es ankommt. Du lernst, was Backfokus genau bedeutet und wie er sich von Begriffen wie Flange Focal Distance oder parfocal unterscheidet. Du erfährst, wie du den nötigen Abstand misst und einstellst. Ich erkläre, wie Spacer, Adapter, Reducer und Feldflattener zusammenwirken. Du bekommst einfache Tests, etwa mit einer Bahtinov-Maske und Testaufnahmen, die du sofort machen kannst. Am Ende weißt du, wie du typische Fehlerquellen ausschließt. Du kannst so Schärfe über das Bildfeld verbessern, Guiding stabilisieren und Vignettierung reduzieren. Das Ergebnis sind schärfere, gleichmäßig belichtete Astrobilder.

Grundlagen: Was genau bedeutet Backfokus?

Der Backfokus ist der Abstand zwischen der letzten optischen Oberfläche eines Teleskops oder eines Korrekturelements und der Bildebene des Sensors. Er beschreibt also, wie viel Platz hinter dem Optikteil bis zum scharfen Fokus bleibt. Für die Praxis ist das wichtig. Nur wenn dieser Abstand stimmt, erreichst du auf dem Sensor die richtige Schärfe über das ganze Bildfeld.

Unterschied zum Auflagemaß (Flange Focal Distance)

Das Auflagemaß oder die Flange-Focal-Distance ist ein Herstellerwert der Kamera. Er gibt an, wie weit der Kameraflansch vom Sensor entfernt ist. Backfokus ist eine Eigenschaft des optischen Systems. Damit du scharf stellst, müssen Backfokus und Auflagemaß plus eventuelle Adapter zusammenpassen. Eine Diskrepanz führt dazu, dass du den Sensor nicht in die richtige Position bringen kannst.

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Warum ist das für verschiedene Teleskoptypen relevant?

Bei Refraktoren ist die Bildebene meist nahe am Okularauszug. Viele Feldflattener und Reducer verlangen einen festen Abstand zum Sensor. Bei Newton-Reflektoren bestimmt die Sekundärspiegel-Position den Backfokus. Das Hauptproblem bei Newton ist, dass der Fokus oft knapp hinter dem Okularauszug liegt. Bei Schmidt-Cassegrain und Ritchey-Chrétien bildet das Sekundärspiegel-System den Fokus weiter hinten. Das führt zu größeren benötigten Freiräumen für Kameras, Filterräder oder Off-Axis-Guiders.

Welche optischen Elemente beeinflussen den Backfokus?

Folgende Elemente verändern den erforderlichen Abstand:

  • Flattener oder Feldkorrektor. Sie brauchen meist einen definierten Abstand zum Sensor, sonst entsteht Feldwölbung.
  • Reducer. Er verändert Brennweite und verlangt oft eigenen Backfokus. Falscher Abstand bringt Fokusverschiebung und Bildfehler.
  • Komakorrektor. Bei Newtons reduziert er Koma. Er hat eine spezifizierte Rücklagerung, sonst bleiben Ränder unscharf.
  • Sekundärspiegel. Als Teil des Reflektors legt er die Lage des Fokus fest. Jede Veränderung der Sekundärhöhe ändert den Backfokus.
  • Filterräder und Adapter. Jede zusätzliche Materialstärke addiert sich zum Abstand. Das kann die korrekte Lage des Sensors verhindern.

Messmethoden in einfachen Worten

Die praktischste Methode ist messen und testen. Miss zuerst den Abstand von der Sensorebene bis zur Auflagefläche des Adapters oder Korrektors. Bei Kameras findest du oft eine Markierung für die Sensorlage. Nutze einen Messschieber oder Stahlmaß. Besser noch sind Testaufnahmen: Baue das System zusammen, mache ein Bild eines Sternfelds und prüfe die Sterne in der Bildmitte und am Rand. Eine Bahtinov-Maske hilft, den Fokus exakt zu finden und zu prüfen, ob sich die Schärfe über das Feld verändert.

Typische Wertebereiche

Werte variieren stark mit System und Hersteller. Viele Feldflattener und Reducer fordern Abstand im Bereich von etwa 40 bis 80 mm. Newton-Korrektoren liegen oft zwischen 55 und 75 mm. Bei RC- oder SCT-Systemen brauchst du häufig mehr Backfokus, etwa 100 bis 200 mm, weil der Fokus hinter dem Tubus liegt. Diese Werte sind Orientierung. Immer die Herstellerangaben prüfen und dann in deiner Konfiguration nachmessen.

Typische Konfigurationen und empfohlene Lösungen

Im Folgenden findest du eine strukturierte Vergleichstabelle. Sie zeigt typische Teleskoptypen, gängige Backfokus-Probleme und praktische Adapterlösungen. Die Tabelle hilft dir, schnell zu sehen, welche Bauteile in deinem Setup relevant sind. Vor dem Umbau solltest du immer das vom Hersteller geforderte Backfokusmaß prüfen. Miss außerdem die tatsächliche Sensorebene deiner Kamera. Nur so vermeidest du Fehlkombinationen.

Teleskoptyp typischer Backfokus / Problem empfohlene Adapter / Spacer Vorteile / Nachteile für Astrofotografie
Apochromatischer Refraktor (ED) häufig 44–65 mm. Viele Flattener verlangen exakt 55 mm. Falscher Abstand führt zu Feldwölbung. Field Flattener mit spezifiziertem Abstand, T2-Adapter, M48-Adapter, Distanzringe Sehr gutes, flaches Feld möglich. Empfindlich gegenüber kleinen Abweichungen im Abstand.
Short-Tube Refraktor Backfokus oft knapp. Vignettierung bei großen Sensoren. Korrektoren verlangen meist zusätzlichen Abstand. Reducer/Flattener speziell für kurze Rohre, T2-Adapter, ggf. längere Okularauszugsverlängerung Leichtes, mobiles System. Begrenzte Korrekturmöglichkeiten bei großen Kameras.
Newton-Reflektor typisch 55–75 mm vom Sekundärspiegel. Ohne Komakorrektor starke Koma am Rand. Komakorrektor wie Baader MPCC, Field Flattener für Newtons, OAG mit definiertem Backfocus, Distanzhülsen Gute Austauschmodifikationen möglich. Sekundärhöheneinstellung verändert Backfokus.
Schmidt-Cassegrain (SCT) / EdgeHD Fokus liegt weit hinten. Oft 100–200 mm. Teleskop-Backfocus plus Adapter notwendig. SCT-T-Adapter, Reducer/Corrector speziell für SCT, lange M48-Adapter, Filterrad mit definierter Einbaulage Viel Platz für Zubehör. Gefahr von zu großem Abstand und damit Bildfehlern ohne Korrektor.
Ritchey-Chrétien (RC) großer, relativ fester Backfokus. Korrektoren meist erforderlich für großes Sensorformat. RC-Korrektor/Reducer, robuste T2/M48-Adapter, OAG für präzises Guiding Sehr gutes Bildfeld mit passendem Korrektor. Anforderungen an mechanische Stabilität hoch.

Kurz zusammengefasst und nächste Schritte

Prüfe zuerst das vom Hersteller geforderte Backfokusmaß für dein Korrektorelement. Miss dann die reale Distanz bis zur Sensorebene. Baue die nötigsten Adapter und Distanzringe zusammen. Mache Testaufnahmen mit einer Bahtinov-Maske und überprüfe Sterne in Mitte und Rand. Falls nötig, tausche Distanzringe schrittweise aus. So findest du die funktionale Kombination aus Schärfe, minimaler Vignettierung und stabilem Guiding.

Praktische Anleitung: Backfokus einstellen in einer Imaging-Train-Konfiguration

Schritt 1: Vorbereitung und Werkzeuge

Stelle sicher, dass du alle Teile zur Hand hast. Du brauchst einen Messschieber oder eine Messlehre, Distanzringe, T2- oder M48-Adapter, einen Bahtinov-Sternschärfungsaufsatz, Schraubenschlüssel oder Inbusschlüssel, Schraubenzwingen oder Rohrschellen und ein Filterrad wenn vorhanden. Halte auch Reinigungstücher bereit. Arbeite auf stabilem, ebenem Untergrund. Notiere die Herstellerangaben zum geforderten Abstand für Flattener oder Reducer.

Schritt 2: Mechanische Grundmontage